Noch ein Messenger? Ernsthaft?

Jep, noch einer. Whatsapp, Threema und Telegramm machen viele Probleme.

  1. Sie sind unfrei. Zwar kostenlos zu benutzen (Ausnahme: Threema, ich glaub, da kostet die app eine Kleinigkeit) aber der Quellcode ist nicht einsehbar. Im Grunde eine Blackbox, von der keiner wirklich wissen kann, was passiert.
  2. Sie sind wahnsinnig unflexibel. Wer Whatsapp nutzt, kann nicht mit Threema-Nutzern sprechen und umgekehrt. Wer würde einen E-Mal Account bei web.de erstellen, wenn er dann nur mit web.de Nutzern schreiben kann? Außerdem muss ich die o.g. apps auch wirklich am Handy nutzen, die Desktop Programme funktionieren eher mäßig.
  3. Was bringt die Zukunft? Ist Whatsapp morgen auch noch kostenlos? Verkauft Telegram morgen meinen Gesprächsverlauf an Spammer?

Und jetzt?

Jetzt brauchen wir eine Alternative. Es gibt in etwa so viele Chatsysteme wie Gummibänder am Schaltknüppel eines Paketdienstwagens. (Sehr viele also, achtet mal drauf.) Meine Anforderungen an ein Kommunikationssystem sind sicher nicht allgemeingültig, viele werden aber mit mir übereinkommen, dass folgendes zumindest erstrebenswert ist:

  1. Zuverlässige Zustellung von Nachrichten
  2. Wirksame EndezuEnde-Verschlüsselung aller Nachrichten
  3. Übertragung von mindestens Bildern; besser noch beliebiger Dateien
  4. Einfache Bedienung

Für mich persönlich kommt noch folgendes hinzu:

  1. Freie Software (Client und Server)
  2. Dezentralisierung, keine Bindung an einen Hersteller oder Anbieter
  3. Ressourcenschonende Clients (Smartphone-Akku…)
  4. Clients für mindestens Android und GNU/Linux
  5. Unkompliziertes Wechseln der Clients mitten im Gespräch

Die ersten vier Punkte sind wohl jedem klar, zu den unteren fünf möchte ich was erklären:

  1. Freie Software ist für mich unabdingbar; Insbesondere wenn ich mit der Software Kommunikation betreibe ist mir wichtig, dass da der Hersteller kein Geheimnis aus der Funktionsweise macht. Mir geht es hier nicht um kostenlose Verfügbarkeit sondern um die Freiheit die Software zu verändern und verteilen zu können.
  2. Dezentralisierung ist mir wichtig, um nicht einen Single-Point-of-failure zu bekommen und um Server bei Nichtgefallen auch einfach wechseln zu können, bzw. selbst einen zu betreiben.
  3. Mein Smartphone-Akku ist immer zum falschen Moment alle. Euer auch?
  4. und 5. ist unabdingbar für mich, weil ich einfach oft gern am Notebook weiterschreibe, wenns doch etwas mehr Getippe wird.

Man nehme?

Ich verfolge den Messenger-“Markt” jetzt seit einer ganzen Weile und momentan kenne ich drei Systeme, die meine Anforderungen erfüllen. Matrix/Riot, XMPP/Jabber und Delta-Chat. Zu Delta-Chat muss ich sagen, dass das noch ziemlich neu (Mai 2018) ist und ich den Verschlüsselungsteil noch nicht ganz verstanden habe. Riot und Jabber kann ich uneingeschränkt empfehlen; beide Systeme laufen bei mir seit einiger Zeit ziemlich zuverlässig. (Riot seit etwa einem Jahr, XMPP seit etwa zehn (!) Jahren)

XMPP

XMPP ist ein (im Vergleich) ziemlich altes Protokoll für Sofortnachrichten. Whatsapp nutzt intern übrigens xmpp.

Das XMPP-Netzwerk besteht aus einer Vielzahl von Servern und funktioniert ähnlich wie E-Mail. Jeder kann sein eigenen Server erstellen und diesen mit allen anderen Servern kommunizieren lassen.

Um XMPP zu benutzen muss man sich also eine App (Fürs Handy oder für den Rechner) besorgen und einen Server finden, bei dem man sich registrieren kann. Mein Server okaris.de ist beispielsweise offen und wartet auf Deine Registrierung. Es gibt sehr viele weitere Server, auch empfehlenswert sind die Server der folgenden Liste: https://xmpp-community.org/List/. Wie man zur Benutzung von E-Mail ein Mailprogramm benutzen sollte, so braucht man für xmpp auch ein Programm. Es gibt unzählige Apps, die mehr oder weniger gut XMPP können, wichtig ist hier eines zu finden, dass die wichtigen modernen Extensions unterstützt.

Conversations

Für Android kommt hier eigentlich nur Conversations in Frage. Conversations kann ich sehr empfehlen, die Hürde ist, dass die App 5€ kostet. Diese fünf Euro sind sicher gut investiert, die Bezahlung bringt aber auch Probleme mit sich. Nicht jeder hat mal eben fünf Euro übrig, nicht jeder vertraut dem Google Play Store und nicht wenige möchten das Ganze sicher erstmal ausprobieren, bevor sie Geld in die Hand nehmen.

Conversations ist freie Software und daher gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Ihr installiert nicht conversations, sondern einen fork davon, beispielsweise Kandru Messenger oder Pix-Art Messenger. Beide sind Kopien von conversations deren Entwicklung aber getrennt ablaufen.
  2. Ihr installiert conversations aus dem alternativen appstore F-Droid

Matrix

Matrix ist ein relativ neues Protokoll zum Datenaustausch. Trotz seiner Jugendlichkeit sind schon sehr viele Funktionen integriert und Matrix erfüllt mit dem Client Riot alle meine Kriterien. Trotzdem empfehle ich lieber XMPP mit Conversations, da Riot auch wegen seiner vielen Funktionen etwas unübersichtlich wirkt.